The contemporary diagnostic discourse of the “post-truth era”—with its symptoms of algorithmically amplified disinformation and fragmented epistemic authority—unfolds against the backdrop of genealogical and discourse-theoretical analyses of truth that bring to light its historical situatedness and entanglement with power. The experience of the pandemic has made the fragility of epistemic consensus visible, especially where empirical uncertainty, normative conflict, and media dynamics intersect.
Keiji Nishitani’s (1900–1990) philosophy invites us to conceive of truth neither as a mere correspondence claim nor as a mere product of power, but as existential evidence arising from conversion of the epistemic standpoint and reorientation of the subject–object relation onto the field of emptiness (śūnyatā). The guiding question of the workshop is whether, with Nishitani, one can develop an understanding of truth that takes seriously the postmodern challenge to naïve objectivity while at the same time, in a post-truth context, articulates robust criteria of evidential validity in enactment (experience, practice, and the self-relativization of one’s standpoint).
In preparation for the workshop, introductory videos and texts on Nishitani’s philosophy will be sent to participants in order to facilitate a joint discussion of whether his account of truth offers a viable response to the challenges of a pluralized public sphere of knowledge.
Die gegenwartsdiagnostische Rede vom „postfaktischen Zeitalter“ – mit ihren Symptomen algorithmisch verstärkter Desinformation und fragmentierter Wissensautorität – steht vor dem Hintergrund genealogischer und diskurstheoretischer Analysen von Wahrheit, die deren historische Situiertheit und Machtverflechtungen herausarbeiten. Die pandemische Erfahrung hat die Fragilität epistemischer Konsense sichtbar gemacht, insbesondere dort, wo empirische Unsicherheit, normative Konflikte und mediale Dynamiken ineinandergreifen.
Keiji Nishitanis (1900–1990) Philosophie lädt dazu ein, Wahrheit weder als bloße Korrespondenzbehauptung noch als bloßes Machtprodukt zu fassen, sondern als existenzielle Evidenz, die aus der Konversion des Erkenntnisstandpunktes und der Umstellung des Subjekt‑Objekt‑Verhältnisses auf das Feld der Leere (śūnyatā) hervorgeht. Leitfrage des Workshops ist es, ob sich mit Nishitani ein Wahrheitsverständnis entwickeln lässt, das den postmodernen Einspruch gegen naive Objektivität ernst nimmt und zugleich im postfaktischen Kontext belastbare Kriterien der Evidenz im Vollzug (Erfahrung, Praxis, Selbstrelativierung des Standpunkts) ausweist.
Im Vorfeld des Workshops werden Einführungs-Videos und Texte zu Nishitanis Philosophie an die Teilnehmenden verschickt, um in einem gemeinsamen Gespräch zu diskutieren, ob sein Wahrheitsverständnis eine tragfähige Antwort auf die Herausforderungen einer pluralisierten Wissensöffentlichkeit bietet.
Dr. Bianca Boteva-Richter will lead a hybrid workshop exploring the themes of migration and intercultural identities. Using the concept of existence as “being in between” (ningen) from the Japanese philosopher Watsuji Tetsurō, the workshop will address the lives of migrants abroad/in exile, their difficulties, but also the advantages for individuals and society. Several texts will be sent out in advance, and participants will be invited to join a discussion about migration. A short game will then be used to help participants apply these insights in practice.
Dr. Bianca Boteva-Richter bietet einen hybriden Workshop an, der sich mit den Themen Migration und interkulturelle Identitäten befasst. Ausgehend vom Konzept des japanischen Philosophen Watsuji Tetsuro, der Existenz als „Dasein im Zwischen” (ningen) versteht, behandelt der Workshop das Leben von Migrant:innen im Ausland/Exil, ihre Schwierigkeiten, aber auch die Vorteile für den Einzelnen und die Gesellschaft. Im Vorfeld erhalten die Teilnehmenden mehrere Texte und werden zu einer Diskussion über Migration eingeladen. Anschließend wird ein kurzes Spiel durchgeführt, um den Teilnehmenden zu helfen, diese Erkenntnisse in die Praxis umzusetzen.
► Mi/We, 20.05.2026, 18:30 (6:30 pm CET), online via zoom, in English
Prof. Graham Parkes will direct an onlineworkshop with two other scholars of Japanese philosophy (such as Raquel Bouso, Tom Kasulis, or John Maraldo). It will address such problems as arise from the addictive power of the technologies deployed by the ‘attention economy’, the impact of social media use on political polarisation and social cohesion, and the risks of unregulated development of artificial intelligence.
Each participant will write a paper to be circulated to the other two in advance of the workshop, and posted on the WiGiP website so that the audience also has an opportunity to read the papers in advance (which the invitation will encourage them to do).
For the opening half hour, the first participant will give a five-minute summary of the main points of their paper, followed by five minutes during which one of the other participants will respond and ask questions, leaving twenty minutes for discussion among the three scholars. Similarly for the two subsequent half-hour phases, after which there will be thirty minutes for questions or comments from the audience.
Prof. Graham Parkes wird gemeinsam mit Wissenschaftlern wie Raquel Bouso, Tom Kasulis oder John Maraldo, die sich mit japanischer Philosophie befassen, einen Online-Workshop leiten. Dabei werden Probleme behandelt, die sich aus der Suchtgefahr durch die „Aufmerksamkeitsökonomie” eingesetzte Technologien, den Auswirkungen der Nutzung sozialer Medien auf die politische Polarisierung und den sozialen Zusammenhalt sowie den Risiken einer unregulierten Entwicklung künstlicher Intelligenz ergeben.
Jeder Teilnehmer verfasst einen Beitrag, der vor dem Workshop an die beiden anderen Teilnehmer verteilt und auf der WiGiP-Website veröffentlicht wird. So hat auch das Publikum die Möglichkeit, die Beiträge vorab zu lesen (hierzu wird in der Einladung aufgefordert).
In der ersten halben Stunde hält der erste Teilnehmer eine fünfminütige Zusammenfassung der wichtigsten Punkte seines Vortrags, woraufhin einer der anderen Teilnehmer fünf Minuten Zeit hat, um zu antworten und Fragen zu stellen. Anschließend verbleiben zwanzig Minuten für die Diskussion zwischen den drei Wissenschaftlern. Die beiden folgenden halbstündigen Phasen verlaufen ähnlich, nach denen dreißig Minuten für Fragen oder Kommentare aus dem Publikum zur Verfügung stehen.